Kreativwirtschaft – ein Abend mit Fakten und Ideen

Die Veranstaltung vom Dienstag, 30. Oktober 2018 zum Thema «Kreativwirtschaft – eine Chance für die Druckindustrie» war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Das Thema interessiert und wird uns in den nächsten Jahren sicher begleiten. Denn nach Aussage des Verbandes Kreativwirtschaft Schweiz verändert sich die Welt gerade rasant und fundamental. Neue Ideen, neue Kontakte, neue Produkte, neue Geschäftsmodelle, neue Kooperationsformen, neue Erkenntnisse. Veränderung kreiert «Innovation».
Stephan Lehmann-Maldonado von der Sagbar GmbH führte in seinem Referat sehr gut in das Thema ein. Er widerlegte den Mythos der brotlosen Kunst, welcher sich hartnäckig in unseren Köpfen hält. Dabei ist Kreativität ein Erfolgsfaktor der Wirtschaft – erst recht in einem rohstoffarmen Land wie der Schweiz. Mit einem speziellen Beispiel zum Falten einer Jeans zeigte er den Teilnehmern, wie Kreativität im Alltäglichen beginnt. Mit verschiedenen Zahlen aus dem “3rd Creative Economies Report Switzerland 2018” und dem “Statistischen Amt Zürich” zeigte Stephan Lehmann-Maldonado auf, wie hoch die Bedeutung der Kreativwirtschaft auch in der Schweiz ist.
Michel Pernet, Präsident des Verbandes Kreativwirtschaft Schweiz und geschäftsführender Partner einer Kommunikationsagentur, präzisierte die Aussagen seines Vorredners und erarbeite mit praktischen Beispielen das Potenzial der Kreativwirtschaft. Die Aufgabe des Verbandes ist es, der Politik mit klaren Fakten aufzuzeigen, welchen Wert Kreative in der Gesellschaft haben. In den Wirtschaftswissenschaften gilt Kreativität heute als eine wichtige Ressource bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Für Michel Pernet ist Kreativität eine Schlüsseleigenschaft in einer globalen, digitalen Wirtschaft. Mit einer Bestandsaufnahme, «Kreativwirtschaft Schweiz, Rahmenbedingungen», hat der Verband in den letzten Monaten eine interessante Publikation erstellt. Dabei wird mit vielen kreativen Köpfen aufgezeigt, dass die Schweiz heute über eine gute Ausgangslage verfügt, um sich auf die Transformationsprozesse erfolgsversprechend vorzubereiten. Dies ist zu einem entscheidenden Anteil das Verdienst der Schweizer Kreativwirtschaft. Wir müssen mutig sein, wir müssen die Zukunft wagen, technologisch, aber auch kreativ. Die Globalisierung und die Digitalisierung sind Chancen, nicht Gefahren, ist die wichtige Botschaft von Michel Pernet. Die Kultur- und Kreativwirtschaft wächst weit stärker als die Gesamtwirtschaft. Und Wirtschaftsexperten sagen voraus, dass dieses Wachstum sich gar exponentiell fortsetzen wird.
Christian Haas, Creative Director und Geschäftsleitungsmitglied der renommierten Designagentur Raffinerie AG, zeigte anhand von Beispielen, dass gutes Design mehr ist als die «Verschönerung» eines Produktes. Mit dem Case «Vom Start-up zum Global Brand» kreierte die Agentur Raffinerie AG 2009 eine visuelle Identität für den Laufschuh «ON». Mit einem Blick hinter die Kulissen zeigte Christian Haas, wie eine innovative Idee von drei Freunden mit einem kreativen Konzept eine unglaubliche Wirkung erzielen konnte. Mit dem Slogan «designed and engineered in switzerland» startete das Unternehmen, und 10 Jahre später hat es 200 Mitarbeiter in 50 Ländern und betreibt 3500 Stores. Ein eindrückliches Beispiel, das aufzeigt, wie die Kreativwirtschaft funktioniert. Zum Schluss seines Referates präsentierte Christian Haas noch den Case des bekannten Freitag-Labels, für das sie eine neue Taschenlinie für Journalisten lanciert haben. Auch hier zeigt sich, wie Innovation und Kreativität neue Möglichkeiten eröffnen.
An der anschliessenden Diskussion unter der Moderation von René Theiler, publishingNETWORK, wurden dann einige Themen nochmals vertieft und auf Fragen aus dem Publikum eingegangen. Die Chance der «Kreativwirschaft» für die Druckindustrie konnte nicht ganz geklärt werden, aber eine wichtige Botschaft von Michel Pernet ist: «Attackiert! – Kreative wissen, was sie wollen, und sind entscheidungsfreudig und unternehmerisch geprägt!». Ein interessanter Abend mit spannenden Referenten und einem interessierten Publikum klang beim anschliessenden Apéro nach.

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