Chancen für ein “Miteinander” im Print und Publishing

Der Feierabend-Apéro an der ETH im Hönggerberg stiess auf grosses Interesse: Rund 60 Teilnehmende erhielten an diesem Event einen Einblick in die spannende Arbeit des Services Bereich der Sektion «Print + Publish». Die Organisatoren COPYPRINTSUISSE, die Vereinigung Druck Schweiz (VDS), publishingNETWORK und Canon (Schweiz) AG luden zu Vortrag und Rundgang ein. Dieser zeigte auf, wie an der ETH der Weg in die digital vernetzte Zeit organisiert ist.
Siegfried Alder, Canon (Schweiz) AG, Peter Kunz, COPYPRINTSUISSE und René Theiler, vom VDS und publishingNETWORK informierten zum Start über die Idee des Feierabend-Apéros, welcher die Chancen und Möglichkeiten für ein Miteinander von Kunden und Lieferanten im Zeitalter der Digitalisierung aufzeigen. Wichtig bei allen digitalen Themen bleibt aber immer noch der Kontakt zwischen den Menschen. Nur die Wege werden direkter.
Interner Dienstleister
Christian Mimjähner von der ETH informierte in seinem Referat über seine Erfahrungen aus dem (nahezu vollzogenen) Wandel im Bereich «Print + Publish» an der ETH Zürich. In der Vorbereitung zum Anlass sei ihm wieder bewusst geworden, was Sie als Team in den vergangenen Jahren alles bewegt haben. Die Sektion «Print + Publish», welcher er als Leiter vorsteht, hat derzeit 31 Mitarbeitende, inklusive der studentischen Helfer. Aktuell hat die ETH Zürich etwas über 10’000 Mitarbeitende und nahezu 25’000 Studierende. Um genügend «potenzielle Kunden» muss sich die Sektion Print + Publish also keine Sorgen machen.
Aller Anfang ist schwer
Im Jahr 2015, als Christian Mimjähner bei der ETH die Leitung des damaligen Druckzentrums übernahm, gab es zwei Drucksäle mit Digitaldruck- und Grossformatsystemen, drei getrennte Teams und zwei Beratungsstandorte. Es gab einen kleinen Grafikbereich und einen Versandbereich mit der Grundidee eines Lettershops. Die Öffnungszeiten waren begrenzt, genau wie die Anzahl der Kunden. Es gab keine Workflowsysteme und keine Kundendatenbank. Die Kunden hatten acht Kommunikationskanäle, um ihre Aufträge zu übermitteln. Der bestehende Webshop war im Prinzip ein Formulargenerator – es gab ein laufendes Projekt, mit dem ein neuer Webshop evaluiert werden sollte.
Schritt für Schritt zum Ziel
Nach einer einjährigen Analyse verstand Christian Mimjähner die Dienstleistungen besser und die wichtigsten Tools und Ansprechpartner an der ETH waren identifiziert. Anfang 2016 haben sie die Zukunft als Dienstleister skizziert, die ersten strategischen Stossrichtungen erarbeitet und die nötigen Massnahmen eingeleitet. Das Ziel hiess vom «Produkt» zum «Dienstleister» und die Konzentration auf einen Produktionsstandort mit einer guten Printlogistik. Die Webshop-Lösung PrintQ von Canon ist nur ein Tool, zur Unterstützung im Prozess. Im September 2017 gingen sie mit dem neuen Webshop online und haben die Backend-Systeme gestartet (Magento Backend, Visual Planning, Zendesk). Diese Systeme sind nahezu alle untereinander vernetzt, damit möglichst keine Medienbrüche entstehen. Es war ein harter Change/Wandel, der alle Mitarbeitenden bis an die Belastungsgrenze getrieben hat.
Es gab und gibt weiterhin massive Kritik an den neuen Prozessen und Abläufen. Aktuell haben sie über 12’000 aktive Kunden im Shop und kennen nun genau deren Bedürfnisse . Das Auftragsvolumen ist um das Dreifache gestiegen und diese Tendenz setzt sich fort. Im Gegenzug stagniert das Druckvolumen, da die Anzahl pro Druckerzeugnis stetig abnimmt – eine Konsequenz der digitalen Publikation.
Was sie heute tun
Sie etablieren sich als Managed Service Provider, um Output Dienstleistungen am Campus der ETH anzubieten. Sie betreiben einen Gerätepool mit Output Systemen, um unabhängig von Ort und Zeit Dienstleistungen anzubieten. Unter der Leitung von Peter Gantner bauen sie das Interactive Media Design Lehrlabor weiter aus, und geben zukünftig weiteren jungen Lernenden die Chance auf eine qualitativ hochwertige, zukunftsweisende und modulare Ausbildung innerhalb der ETH Zürich. Sie etablieren neue Kommunikationstechnologien, um die anstehende Transformation von «analog zu digital» voranzutreiben.

Mario Delvecchio, Präsident COPYPRINTSUISSE
Dialog und Vernetzung mit der Inhouse-Konkurrenz
Mario Delvecchio, Präsident von COPYPRINTSUISSE und Geschäftsführer der Meier Druck AG, stellte in seinem Referat unter dem Titel «Kooperationen – eine neue Herausforderung» wichtige Fragen aus Sicht der digitalen Druckdienstleister. Für ihn sind Inhousedruckereien zunächst Konkurrenten – nicht nur die ETH, sondern auch Banken, Versicherungen, Dienstleister wie Coop produzieren heute ihre Druckprodukte selber, was zur Reduzierung der Aufträge führt.
Die Möglichkeiten für ein «Miteinander» müsse im direkten Dialog gesucht werden. Er sieht Chancen bei Kapazitätsspitzen – in diesem Bereich müssen die Druckdienstleister sich neben den Systemen auch mit der Vernetzung via Internetdienstleistungen profilieren. Somit werden Synergien für eine Zusammenarbeit geschaffen, die über das digitale hinausgeht. Auch im digitalen Zeitalter ist und bleibt der Mensch für Mario Delvecchio der zentrale Erfolgsfaktor und ist durch nichts zu ersetzen! In einem Video mit Bundesrat Schneider-Amann mit dem Titel «Digitale Risikobereitschaft» zeigte er die Schwierigkeiten der Politik mit der digitalen Transformation auf.
Kompetenz in der Praxis
Auf einem gemeinsamen Rundgang erhielten die Teilnehmer/-innen an vier Stationen einen Einblick in die Produktion des Bereich Print + Publish. Dabei konnten Fragen zur Automatisierung durch den neuen E-Commerce-Webshop und die daraus entstehenden, neuen Angebote gestellt werden. Das Team der Sektion Print + Publish zeigte sich sehr offen für Fragen und hinterliess einen kompetenten und professionellen Eindruck.
Der anschliessenden Apéro, offeriert von Canon (Schweiz) AG, bot die ideale Gelegenheit für den persönlichen Austausch. Ein interessanter und inspirierender Abend in der ETH Zürich Hönggerberg.

Grosses Interesse am Event

Mit dem Apéro den Abend ausklingen lassen

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