Zu Tode befördert

Der fitteste Programmierer verantwortet fortan das Entwicklungsteam, während der Verkäufer mit dem höchsten Umsatz mit der Leitung der gesamten Niederlassung beauftragt wurde. Kann funktionieren. Ist aber auch ein klassischer Management-Fehler und bewirkt genau das Gegenteil von dem, was beabsichtig war.

Es wollen alle nach oben

Das hierarchische Denken in unserer Region ist furchtbar. Alle wollen nach oben, denn oben ist besser. Und leider ist es auch häufig besser: Aus Sicht von Freiheit und Entschädigung. Und so wird die nächste Stufe der Hierarchie fälschlicherweise gleichgesetzt mit Wertschätzung.
Das führt dazu, dass die besten Leute befördert werden, wie in unserer Geschichte der Programmierer und der Verkäufer. Nicht beachtet wird dabei, dass Beförderung in der Regel auch komplett andere Aufgaben heisst. Und genau hier liegt der Hund begraben: Wer sagt, dass der fitteste Programmierer der beste Teamleiter ist? Dass ihn Personen ebenso stark faszinieren wie spitze Klammern? Denn genau wegen seiner Liebe zu den spitzen Klammern hat er sich ja fürs Programmieren entschieden.

Verlierer auf der ganzen Front

Und jetzt verlieren alle. Der beste Programmierer tut nicht mehr, was er am besten kann. Seine Programmier-Kompetenz und Effizienz hinterlassen schmerzliche Lücken. Dafür hat er jetzt einen Job, der ihn im Herzen nicht befriedigt. Auch das wird negative Folgen haben.
Wir kommen nicht darum herum, unser wirtschaftliches Wertesystem zu justieren. Oben ist nicht besser, oben ist anders.
Spontan fallen mir zwei Kunden ein, welche die Hierarchien komplett abgeschafft haben. Beide haben die digitale Transformation im Griff und beschäftigen die richtigen Leute mit der richtigen Aufgabe.

Haemes Senf

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Haemes Meinung zu aktuellen Publishing-Themen. Pointiert, erfrischend, anregend. Eine Kolumne aus dem Publishingblog.ch

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