Verwirrende Branchenzahlen

Es gibt ein altes Sprichwort: „Trau keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.“ Liest man die Zahlen über die grafische Branche (ohne Verlage) kann man leicht zu dieser Überzeugung kommen. Da werden die verschiedensten Werte veröffentlicht, die jedoch nicht viel oder nichts mit der Realität zu tun haben.
In der Schweizerischen Gewerbezeitung vom August 2014 wird folgendes veröffentlicht: Umsatz der grafischen Branche 10 Milliarden Franken und 20‘000 Arbeitsplätze. Errechnet man den Pro-Kopf-Umsatz, ergibt dies einen stolzen Betrag Fr. 500‘000.- pro Kopf. Das ist aber reines Wunschdenken, der durchschnittliche Pro-Kopf-Umsatz liegt heute im Durchschnitt bei weniger als Fr. 180‘000.-, also einem Bruchteil des publizierten Wertes!
In der Broschüre „Zahlen & Fakten 2014“ des Branchenverbandes Viscom werden auf Seite 4 Zahlen über die Anzahl Arbeitsstätten und Beschäftigte veröffentlicht. Diese sind an und für sich richtig, entstammen aber aus zwei verschiedenen, nicht vergleichbaren Quellen, was auch vermerkt wird. Bei der Interpretation ist jedoch Vorsicht geboten.
Vergleicht man diese Zahlen aus verschiedenen Quellen, hätte die grafische Industrie zwischen 2011 und 2013 rund 32 Prozent an Arbeitsstätten und Beschäftigten verloren. Effektiv ist die grafische Branche zwischen 2011 und 2013, nicht wie irrtümlich interpretiert, um über 30 Prozent, sondern lediglich (gemäss Angaben des Bundesamtes für Statistik, BfS) um rund 6 Prozent geschrumpft. Immer noch zu viel.
Viel wichtiger ist es jedoch, mit den vorliegenden Informationen aus verschiedensten Quellen, die Entwicklung der Branche zu verfolgen. Dabei gilt es, dass Gleiches mit Gleichem verglichen wird. Zudem sollte der Leser, vor allem wenn er in der Branche tätig ist, diese veröffentlichten Zahlen auch kritisch hinterfragen und sich durch weitere Quellen informieren lassen.
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