Luftschlösser bauen am Computer

Der Architekturfotograf Filip Dujardin hat seinen eigenen Weg gefunden, um mit der bisweilen empfundenen Langweile seines Brotjobs umzugehen: Er baut Häuser, knapp an der Realität vorbei – am Computer. Die Architekturfotografie ist sein Brot, aber nicht immer sein Glück. Filip Dujardin hat sich schon unverhohlen über die Langeweile beklagt, die ihn angesichts der Werke mancher Auftraggeber befalle.
Es begann dann damit, dass er Fenster und Türen einzelner Bauten am Computer ausradierte und sie so in surreale Skulpturen verwandelte. Mittlerweile ist er sein eigener Architekt, und er arbeitet unbehelligt von Kundenlaunen, Budgetvorgaben und den Gesetzen der Statik. Sein Material sind reale Gebäude im realen Belgien, wo Dujardin lebt; aus bis zu 150 digitalen Aufnahmen zimmert er seine burlesken Konstrukte.
«Fictions» heisst zwar die Serie, aus der jetzt der gleichnamige Bildband (Verlag Hatje Cantz) eine eindrückliche Auswahl versammelt. Was sie ausmacht, ist allerdings doch der schwer zu verscheuchende Eindruck, dass hier die Realität nur knapp verfehlt worden ist. Vielleicht liegt das am ganz normalen, ganz schäbigen architektonischen Alltag, bei dem sich Filip Dujardin bedient. Vielleicht an der Patina der Sechziger- und Siebzigerjahre, mit der er seine Luftschlösser tüncht. Auf der Webseite des Verlag hat es eine virtuelle Buchprobe mit eindrücklichen Bildern…>>
Vielleicht aber auch an der handwerklichen Virtuosität dieses Täuschungsbaumeisters. «Die Schatten», so sagt es der Fotograf selber, «sind der entscheidende Trick».
Webseite von Filip Dujardin…>>

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